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» Mehrwertsteuer an der Tankstelle

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4. Jul 2008 um 20:03 von GoGru

Heute habe ich an der Tankstelle in Jena, an der die Straßenbahn täglich vorbeifährt, einen Benzinpreis von 1,61€ lesen müssen. Die “1,60€-Marke” kann zwar kaum als symbolisch gelten, ist das Überschreiten der 1,50€ doch auch nicht lange her, jedoch wirkt der Preisanstieg besonders bedrohlich, wächst die erste Zahl nach dem Komma neuerdings fast so schnell wie früher die zweite Nachkommastelle.

Warum ich euch hier noch mal das erzähle, was in allen Nachrichten zu sehen und zu hören ist? Ein Blog soll ja auch den eigenen Erfahrungen der jeweiligen Autoren eine Plattform sein (und nicht nur der Bespaßung dienen). Daher beichte ich zunächst, dass ich mich das erste mal in meinem Leben einer FDP-Forderung anschließe. Vor knapp 3 Monaten ertönte es aus der liberalen Fraktion, man solle aufgrund der Energiepreise das”Brot des 21. Jahrhunderts”, die Energie, also das Gut, von dem wir abhängig gemacht wurden, mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7% belegen. Dem stimme ich zu.

Momentan bezahlt man ja mit 19% von 1,61€ rund 31 Cent an Mehrwertsteuern. Ebenfalls an den Staat gehen die fix pro Liter berechnete Mineralölsteuer (50,1 Cent pro Liter) und die Ökosteuer (15,4 Cent pro Liter ). Ein “Erdölbevorratungsbeitrag” von 0,46 Cent pro Liter geht auch fix ab. Von 160,9 Cent (so der genaue Preis) gehen genau 30,57 Cent MwSt ab, sowie die anderen genannten fixen Beträge. Der reine Benzinpreis (Warenpreis ohne Steuern) beträgt also bei heute beobachtetem Preis an der Zapfsäule 64,37 Cent. Würde Benzin momentan mit 7% versteuert, würde der Liter nicht 160,9 Cent kosten, sondern “nur” 139,5 Cent. Natürlich ist anzunehmen, dass die Mineralölkonzerne die Gunst der Stunde nutzen würden, um einen Teil der Steuersenkung selbst wieder draufzuschlagen. Der Autofahrer ist ja machtlos und abhängig!

Worauf ich eigentlich hinaus will und worauf der Fokus der Öffentlichkeit nie gerichtet wurde, ist folgender Missstand (nein, ich meine nicht, dass man Missstand mit drei S schreibt): Vielleicht ist dem ein oder anderen bei oben genannter Berechnung aufgefallen, dass man an den Tankstellen nicht nur auf Benzin die Mehrwertsteuer zahlt, sondern auch auf Steuern!! Ja richtig gehört! Denn auch auf die Teile des Preises, die aus den fixen Kosten bestehen, werden 19% erhoben.

Ich selbst habe diesen Umstand auch  noch nie hinterfragt und bin heute bei meiner Rechnung darauf gestoßen. Würden alle anderen Steueranteile nicht noch einmal besteuert (wir sehen bei folgender Rechnung von Mutmaßungen über das Verhalten der Mineralölkonzerne im Fall von Steuersenkungen ab), so ergäbe sich folgendes Bild:

Der reine Benzinpreis ohne Steuern beträgt 64,37 Cent. Darauf entfallen 19% Mehrwertsteuer, womit wir bei 76,6 Cent pro Liter wären. Addiert man erst jetzt alle fixen Steuern, so erhält man 142,6 Cent pro Liter. Geht man von dieser Anwendung der Mehrwertsteuer aus und zusätzlich vom günstigen Steuersatz von 7%, dann würde ein Liter Benzin derzeit 134,8 Cent kosten.

Danke für die Aufmerksamkeit!

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 4. Juli 2008 um 20:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter Geschichten, Zeitgeschehen abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

6 Reaktionen zu “Mehrwertsteuer an der Tankstelle”

  1. Hoo am 4. Juli 2008 um 22:48 Uhr

    Prinzipiell stimme ich der Tatsache zu, dass das besteuern von Steuern verboten gehört. Allerdings werden wir uns insgesamt drauf einstellen müssen, dass die Preise von heute in absehbarer Zeit als schnäppchen gelten werden, denn so lange die Industrienationen nicht begreifen, dass sie vom Öl weg kommen müssen und die Vorräte weniger und weniger werden wir der Preis steigen. Und das unabhängig von allen Spekulanten, die für die aktuellen Höchstpreise zumindest partiell die Verantwortung tragen.
    Ich für meinen Teil werde versuchen, mich in anderthalb Jahren mit Autogas erstmal für ein paar Jahre aus der Affäre zu ziehen, aber was nach 2018 kommt, wenn die Steuerbefreiung dafür ausläuft, kommt, da hab ich auch noch keinen Plan.

    Dazu ein passendes Zitat von German-Bash.org:

    Gestern hat meine Freundin verlangt, dass ich sie an einen teuren Ort ausführen soll.
    Die hat echt blöd geschaut, als ich zur Tankstelle gefahren bin.

  2. Fränk am 8. Juli 2008 um 16:29 Uhr

    ich finde diese preisfestlegung auch äußerst ungerecht…..es liegt aber nicht an der sache, dass es zu wenig erdöl gibt. die Opec fördert zur zeit nicht mal mit 100 prozent sondern weit aus weniger als sie könnten. deshalb frage ich mich, warum der preis immer weiter steigt. klar erhöht sich die nachfrage im asiatischen raum ständig und dies wirkt sich erneut auf uns aus, aber ich mache für den preis eher die mineralölkonzerne und den staat verantwortlich. in anderen ländern funktioniert es auch, dass der spritpreis viel günstiger ist…deutschland ist nach holland mit der höhe des benzins an zweiter stelle in europa (soweit ich weis)
    von den staaten will ich gar nicht reden…als ich for kurzem dort war hat der liter sprit 80cent (euro) betragen…hab ich mal durchgerechnet. klar ist der preis dort auch in den letzten 5 jahren um über 150 prozent gestiegen aber immernoch weitaus günstiger als hier

  3. Steiner am 9. Juli 2008 um 09:11 Uhr

    Also ich bin fest der Meinung das der Öl-Preis sich auch wieder “normalisieren” wird, denn wie der Frank schon schreibt ist dieses Geschäft mit dem Öl momentan höchst spekulativ und irgendwann wird diese Spekulationsblase platzen. Das hoffe ich zumindest ganz ganz stark ….

  4. Steiner am 9. Juli 2008 um 09:14 Uhr

    Also ich bin fest der Meinung das der Öl-Preis sich auch wieder “normalisieren” wird, denn wie der Frank schon schreibt ist dieses Geschäft mit dem Öl momentan höchst spekulativ und irgendwann bereinigt sich ein Markt in einem kapitalistischen System von allein und diese Spekulationsblase wird platzen (ähnlich dem Immobilienmarkt) oder dem Aktienmarkt ). Das hoffe ich zumindest ganz ganz stark ….

  5. WoPe am 9. Juli 2008 um 09:35 Uhr

    Denke ich auch, irgendwann wird die Blase platzen, hat bis jetzt immer funktioniert. Dass die Preise aber dann auch sinken glaube ich eher nicht.
    Über die Besteuerung von Steuern hab ich mir auch schon mal Gedanken gemacht, aber es ist ja überall so, nicht nur bei Benzin. Am Ende kommen immer 19% (bzw. 7%) drauf. Benzin mit 7% Mehrwertsteuer zu belegen finde ich übertrieben. Sicher ist es teuer, aber außer für Berufspendler finde ich es preislich immer noch tragbar mit dem Auto rumzufahren. Außerdem scheint sich die Entwicklung neuer Technologien und Konzepte nur von steigenden Spritpreisen vorantreiben zu lassen.

  6. bechke am 12. Juli 2008 um 00:39 Uhr

    so jetzt da ich ja kein auto mehr besitze: ich bin für hohe spritpreise! ;) naja, eigentlich nicht wirklich. aber ich denke man muss es auch mal so sehen: alle reden davon dass wir weg müssen vom mineralöl und alle wissen, dass das auch richtig ist, aber so lange noch was da ist, wird keiner handeln …. es sein denn, die kosten werden zu hoch. und wenn sich nun leute überlegen, eigentliche “sinnlos-fahrten”, die man sonst immer mit dem auto gemacht hat, nun mit fahrrad, öffentlichen oder zu fuß zurück zu legen, weil es sonst zu teuer wird, dann finde ich das durchaus auch positiv. (so übrigens auch die überlegung hinter der ökosteuer, die unseren sprit im vergleich zu anderen nationen so unsagbar teuer macht) gut für berufspendler isses natürlich ganz große asche, aber auch da kann über fahrgemeinschaften und ähnliches noch an einigen ecken gespart werden, denke ich. ansonsten natürlich pendlerpauschale wieder ab dem ersten km und mehr, aber das is n anderes kapitel …
    zum thema platzende blase: die platzt spätestens wenn mal kein öl zum handeln mehr da ist ;) vorher denke ich wird da wohl auch nix billiger, die ölkonzerne sehen ihr ende. die müssen versuchen noch möglichst lange überhaupt öl zu haben. denn ein ölkonzern ohne öl … schon bissel doof wa. und am besten geht das halt über hohe preise. bei mengenmäßig weniger absatz die gleichen kohlen einfahren und den eigenen tod dadurch auch noch aufschieben. warum sollte man davon ablassen?
    und zum thema steuern auf steuern: machen die das bei spirituosen nich auch so?

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